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BLOG

7. Juni 2010

xoxo Mahatma

gandhi_wallpaper

Man ist sich ja einiges gewöhnt hinsichtlich Übernahme von ethischen Werten, grossen Themen und historischen Persönlichkeiten in die marktwirtschaftliche Ästhetik, vor allem in die Werbung. Schon vor einigen Jahren hätte man denken können, der Gipfel sei erreicht, als orange Hilfsprojekte in Indien ins Zentrum ihrer Werbung stellte, weil die Hautfarbe der Inder (gemäss deren Kultur) dem Corporate Design von orange entspricht. Letztes Jahr kamen sie uns dann mit existentialistischer Philosophie für Otto Normalverbraucher (ich bin auch meine Prostituierte). Doch hinsichtlich des Gipfels weit gefehlt! swisscom zeigt, wer immer noch der Chef ist und lässt Mahatma Gandhi das neue Blackberry bewerben. Die Agentur Jung von Matt zeichnet für diese originelle Idee verantwortlich. Chapeau! Der Zynismus durchdringt alles, man muss sich für gar nichts mehr schämen. Vielleicht bewirbt ja nächstes Jahr Jesus einen Hamburger (würde auch passen: Jesus = gut / Hamburger = gut – et voilà).

Abgelegt unter: Gott und die Welt — Simon @ 08:32

18. Mai 2010

Politisches Reden…

abzocker

In meiner Forschungsarbeit an der Hochschule der Künste befasse ich mich damit, Grafikdesign als Rhetorik aufzufassen. Die Rede lässt immer auch Schlüsse über den Redner zu; ist seine Sprache reich und gepflegt, wird er wohl belesen sein, besticht er mit scharfsinnigen Argumenten, wird er wohl intelligent sein, etc. Ich weiss wirklich nicht, was mit den politischen Parteien los ist – vom linken bis zum rechten Spektrum, von der Argumentation bis zur Ästhetik ist die politische Grafik unter jeder Sau. Ein ClipArt-Schuh, der ein paar WC-Piktos zertritt? Und damit will man wichtige Anliegen vertreten? Gebt doch das nächste Mal 2000 Franken mehr aus und lässt Euch was Richtiges machen. Trotzdem – die Sache unterstützen wir, deshalb >>

Abgelegt unter: Gott und die Welt — Simon @ 17:08

1. Dezember 2009

Ein Tag, schwärzer als jede Burka

blog_minarett

Der Schweizer ist eigentlich nicht daran gewöhnt, sich beim Zeigen seines Passes oder Angeben seiner Nationalität zu schämen. Mit diesem Gefühl muss man sich in Zukunft wohl anfreunden. Mit der Annahme des Minarett-Verbots hat sich die Schweiz endgültig von einem 150-jährigen Demokratieverständnis verabschiedet und akzeptiert, dass die gleichen Menschen, ja sogar die gleichen Bürger unterschiedliche Rechte geniessen. Die Protagonisten der rechten Initiative haben auf verächtlichste Art und Weise Unbehagen, Orientierungslosigkeit und Ängste (verstärkt durch die Finanzkrise) dazu benutzt, unter das Einzige einen Schlussstrich zu ziehen, was dem Schweizersein Anlass zu Stolz gab. Lange muss man das kauen, bis einem eine Ahnung der Ausmasse einen kalten Schauer den Rücken runterjagt. Ein dreckiges Stück Grafikdesign hat das Seinige dazu beigetragen.

Abgelegt unter: Gott und die Welt — Simon @ 16:52